
Bonn, 8.06.2012 - Auf den ersten Blick haben Fußballspieler und Textilreiniger/innen eines gemeinsam: die einen machen Schmutz, die anderen entfernen den Schmutz. Das Trikot der Fußballer, die auf dem Spielfeld vollen Einsatz zeigen, sind nachher übersät mit Grasflecken und anderen Verschmutzungen. Als Zuschauer wollen wir sehen, dass unsere Mannschaft alles bei den entscheidenden Spielen gibt. Da kann das Trikot dann auch ruhig dreckig werden.
Nach dem Spiel gibt es dann eine Menge schmutziger
Sportkleidung, die gründlich gewaschen werden muss. Dann sind die Experten an
der Reihe: die Textilreiniger/innen. Denn genau wie beim Fußball braucht es für
echte Meisterleistungen eben Profis. Nun ist eine Ausbildung in der
professionellen Textilpflege für viele nicht unbedingt der Traumberuf –
allerdings ist auch der Job als Profifußballer nicht für jeden das Ziel. Das in
Reinigungen und Wäschereien ausgeübte Handwerk bietet allerdings sehr gute
Zukunftschancen, sowohl für junge Männer als auch für Frauen, und dass ohne
Altersgrenze wie beim Fußball.
Traditionsreiches Handwerk
Die Textilreinigung ist ein uraltes Gewerbe und ein
traditionsreiches Handwerk. Wer darin ausgebildet ist, kann wesentlich mehr als
Wäsche waschen oder Flecken entfernen. Das Leistungsspektrum der textilen
Wiederaufbereitung bzw. der textilen Vollversorgung ist umfangreich und
vielfältig. Qualifizierte Textilreiniger/innen beherrschen ausgereifte
Hochleistungstechnik und verfügen über ein weit reichendes Textil-Know-how, da
in der großen Bandbreite der unterschiedlichen Dienstleistungsbetriebe
modernste Maschinen und Verfahrenstechnologien eingesetzt werden. „Gerade heute
bietet die professionelle Textilpflege ungeahnte Zukunftschancen mit einer
Ausbildung zum Textilreiniger bzw. zur Textilreinigerin“, betont der Deutsche Textilreinigungs-Verband
in Bonn.
Anerkannter Ausbildungsberuf
Nur wenige junge Menschen wissen, dass es sich dabei um
einen anerkannten Ausbildungsberuf handelt. „Nur selten weisen Arbeitsämter und
Schulen explizit darauf hin“, weiß DTV-Hauptgeschäftsführer Dr. Volker Schmid.
Viele junge Menschen, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz seien,
wüssten eben nicht, dass Textilpflegebetriebe ausbilden. Dabei benötige die
Textilpflegebranche gerade jetzt qualifizierten Nachwuchs. Zahlreiche
Ausbildungsplätze könnten mangels Interessenten nicht besetzt werden. Dr.
Volker Schmid ergänzt: „Ein neuer Studiengang Textildienstleistung an der
Berufsakademie Mannheim bietet seit kurzem sogar die Option für den direkten
Einstieg in diesen Berufszweig.“
Zugangsvoraussetzungen
Die klassische, dreijährige Lehre nach einem erfolgreichen
Schulabschluss der 10. Klasse beinhaltet die Bereiche Textilkunde,
Textilreinigungs- und Waschtechnik, Arbeitstechnik, Betriebswirtschaft sowie
Umwelt, Hygiene und Kundenkontakt. Bei mittlerer Reife oder Abitur ist eine
Verkürzung möglich. Das aktuelle Berufsbild entstand aus den früheren
Handwerken Wäscher und Plätter sowie Färber und Chemischreiniger. Nach der
Gesellenausbildung und dem Nachweis mehrjähriger Berufspraxis besteht die
Möglichkeit der Meisterausbildung, die nach geltender Handwerksordnung
allerdings keine Voraussetzung für eine Selbstständigkeit in der Textilpflege
mehr ist. Hilfreich sei der Meisterbrief dennoch, um sich am Markt als Fachbetrieb
zu profilieren; erforderlich außerdem nach wie vor, um Nachwuchs auszubilden,
so der Branchenverband.
Alternative mit Abitur
Eine Alternative zur beruflichen Qualifikation in der Textilpflegebranche
bietet sich über die Fachhochschulreife bzw. das Abitur. Im Anschluss an ein
einjähriges Praktikum kann ein technisches Studium aufgenommen werden, das mit
dem Diplom-Ingenieur für Textil- und Bekleidungstechnik abschließt. „Darüber
hinaus besteht, wie gesagt, die Chance an der Berufsakademie Mannheim den
betriebswirtschaftlichen Studiengang Textildienstleistungen zu absolvieren“,
erklärt Dr. Volker Schmid: „Im Rahmen des dreijährigen Studiums verbringen die
angehenden Diplom-Betriebswirte (BA) die Hälfte der Studienzeit direkt im
Unternehmen, um ausreichend praktische Erfahrungen zu sammeln. Die Studenten
schließen mit dem Ausbildungsbetrieb einen dreijährigen Vertrag ab und erhalten
während dieser Zeit eine monatliche Vergütung.“ Den Einstieg in ein
erfolgreiches Berufsleben in der professionellen Textilpflege zu erleichtern,
ist laut dem DTV Sinn und Ziel dieses Angebotes sowie aller Bemühungen des
Verbandes. Es gebe einen akuten Bedarf an Fachkräften; aufgrund der
Altersstruktur in der Branche stünden in den nächsten Jahren bei etwa einem
Drittel aller Betriebe Nachfolgeregelungen an.
Komplexe Problemlösungen
Ebenso wenig bekannt wie die Tatsache, dass in der professionellen
Textilpflege ausgebildet werde, sei das Berufsbild selbst, sagen die
Verantwortlichen im DTV. In der Profipflege gehe es nicht allein um
Fleckentfernung, sondern um komplexe Problemlösungen für den textilen
Werterhalt sowie die zuverlässige und nachhaltige Bereitstellung von Textilien
für diverse Wirtschaftszweige. Um den steigenden Ansprüchen von Verbrauchern
und gewerblichen Partnern gerecht werden zu können, brauche es konkretes
Fachwissen über moderne Fasern, Stoffe oder Drucke sowie verfahrenstechnische
Prozesse. „Sich mit Menschen, Textilien, Technik, Umwelt und Hygiene
gleichzeitig beschäftigen zu können und in diesen Bereichen fundiertes Wissen
zu erhalten, nennen wir eine vielseitige Ausbildung“, so der DTV. Darüber
hinaus sei sie ein ideales Sprungbrett für eine Berufskarriere im gesamten
textilen Dienstleistungsgewerbe, angefangen von der klassischen Textilreinigung
über Wäschereien im Gesundheitswesen bis hin zu industriellen
Textil-Leasingunternehmen. Eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung zum/r
Textilreiniger/in erlaube beste Aufstiegschancen in kleinen, mittelständischen
und Großbetrieben oder eben die Perspektive auf eine selbständige
Unternehmertätigkeit.
Ein vielfältiges Berufsbild
Der Berufsalltag selbst sei spannend und abwechslungsreich.
„Textilreiniger sind nicht nur zuständig für den Soßenfleck auf der Bluse oder
den Fettfleck im Jackett; sie pflegen unterschiedliche Textilien, wie
Oberbekleidung, Wäsche, Berufs- und Arbeitsschutzbekleidung, Gardinen,
Teppiche, Leder, Polstermöbel, Hotel- und Gaststättenwäsche, Krankenhaus- und
Hygienewäsche, Schmutzmatten und vieles mehr. Das Leistungsangebot zeitgemäßer
Betriebe umfasst bedeutend mehr als das Waschen und Reinigen von Kleidung bzw.
Textilien. Es reicht von der kompletten Ausstattung, zum Beispiel von
Krankenhäusern mit Personal-, Bett- und OP-Wäsche, bis hin zur Belieferung der
Automobilindustrie mit Arbeitsanzügen und Putztüchern. So garantieren
Spezialbetriebe u. a. für eine zeitgerechte Vollversorgung von Fluggesellschaften,
inklusive Bereitstellung von Berufsuniformen, Flugzeugsitzen, etc.
Dass derart umfangreiche Dienstleistungen ein ebenso weit
gefächertes Fachwissen erfordern, liege auf der Hand, so Dr. Volker Schmid:
„Darüber hinaus gehört in sämtlichen Bereichen der professionellen Textilpflege
der Dienst am Kunden, sprich der gepflegte Umfang mit Endverbrauchern und
gewerblichen Partnern zum Handwerkszeug.“